Assassin's Creed 2 - Test
Autor: Daniel Matschijewski
So setzt man ein Spiel fort! Ubisofts Assassin’s Creed 2 ist abwechslungsreicher, stimmiger und mitreißender erzählt als der ohnehin schon großartige Vorgänger -- was vor allem an der lebendigen Spielwelt, den abwechslungsreichen Aufträgen und den charmanten Charakteren liegt. Wir testen die PC-Version.
Es gibt angenehmere Arten, geweckt zu werden, als mit den Worten »Weg hier, sonst sind wir tot!«. Genau das aber geschieht Desmond Miles, seines Zeichens Hauptdarsteller von Assassin’s Creed 2 und Entführungsopfer des Wissenschaftlers Warren Vidic. Wir spulen zurück: Im ersten Teil des Actionspiels von Ubisoft Montreal aus dem Jahr 2008 zwang der durchgeknallte Vidic den jungen Barkeeper zu einem irren Experiment. Darin ging es um Jahrhunderte alte Erinnerungen des Assassinen Altaïr, die tief in Desmonds Erbgut vergraben liegen. Durch eine Maschine namens Animus kann der Erfahrungsschatz des Meuchelmörders abgerufen und erneut »erlebt« werden. Vidics Ziel: Das geheime, längst vergessene Versteck des legendären Artefakts Edenapfel aufzuspüren und mit dessen Macht seinem untergehenden Templerorden zu neuer Stärke zu verhelfen. Als Desmond den Plan durchschaut, will Vidic ihn ausschalten. Grade noch rechtzeitig wird Vidics Labor von Altaïrs Mit-Assassinen angegriffen, der irre Wissenschaftler flieht. Desmond bleibt zurück und erkennt (dank des von Altaïr gelernten Adlerblicks) plötzlich merkwürdige Symbole an einer Wand. Doch dann: Abspann, Ende von Teil 1. Genau hier setzt Assassin’s Creed 2 an, nahtlos, mit Desmonds Blick auf die kryptischen Zeichen. Und der im Spielverlauf geläuterten Lucy Stillman, ehemalige Assistentin von Bösewicht Vidic. Sie ist es, die Desmond unsanft aus seiner Trance reißt: »Weg hier, sonst sind wir tot!«
Der Einstieg
Wer das erste Assassin’s Creed nicht gespielt hat, der dürfte schwer in die Handlung des zweiten Teils finden. Selbst die rasant geschnittene Zusammenfassung zu Beginn hilft da nur wenig. Das mögen bisherige Assassin’s Creed-Verweigerer blöd finden, doch wertungsrelevant kann das nicht sein. Denn ähnlich wie Mass Effect 2 ist Assassin’s Creed 2 als Teilstück einer größeren Geschichte angelegt, die sich über mehrere Spiele strecken soll. Und genau wie das Bioware-Rollenspiel hält sich auch Desmonds neues Abenteuer nicht lange mit einem Prolog auf. Im Gegenteil: Bereits in den turbulenten ersten Minuten fliehen Sie mit Lucy aus dem Laborkomplex, prügeln sich durchs Wachpersonal und werden schließlich in Lucys Kofferraum aus dem Schurkenhauptquartier geschmuggelt. In einer Lagerhalle fernab von Vidics Einflussbereich endet die Flucht. Hierher hat die selbstbewusste Blondine eine der Gen-getriebenen Zeitreisemaschinen (Animus) gebracht, mit der Desmond abermals in die Haut eines seiner Assassinen-Urahnen schlüpfen soll; in die des jungen Edelmanns Ezio Auditore da Firenze. Zielpunkt der Reise: Norditalien Ende des 15. Jahrhunderts.
Der Held
In den Erinnerungen seines italienischen Vorfahren soll Desmond nicht nur weiter nach dem Versteck des Edenapfels suchen, sondern auch Ezios Fertigkeiten erlernen und in die reale Welt übertragen.
Die Aufträge
Ähnlich wie sein Vorgänger Altaïr ist Ezio auf der Jagd nach gleich mehreren Verschwörern. Allerdings müssen Sie in Assassin’s Creed 2 nicht mehr jedes Mal zur örtlichen Meuchelmörder-Filiale spazieren, danach drei stets gleiche Untermissionen absolvieren und anschließend den Mordauftrag ausführen. Stattdessen folgen Sie einer klar vorgegebenen, aufeinander aufbauenden Missionsstruktur, ähnlich der Haupthandlung von GTA 4. Assassin’s Creed 2 kombiniert dabei geschickt all seine spielerischen Facetten. Ezio kämpft, schleicht, schwimmt, klettert, klaut, killt, rennt, darf mal hier niemanden töten oder mal da kein Aufsehen erregen, lokalisiert mittels Adlerblick Zielpersonen im Gemenge, befreit gefangene Verbündete, belauscht Gespräche oder eskortiert Kontaktpersonen - wer im ersten Teil nach mehr Vielfalt gerufen hat, der findet sie hier – großartig!
Die Kämpfe
Neben guten Ideen beim Missionsdesign fehlte es dem ersten Assassin’s Creed auch an einem durchdachten Kampfsystem. Wer im richtigen Moment zum Konter ausholte, der stach selbst ein Dutzend Gegner mühelos nieder. In Assassin’s Creed 2 ist das nun nicht mehr so einfach, was vor allem an den fünf neuen, höchst unterschiedlichen Feindklassen liegt. Nichtsdestotrotz ist die Gegner-KI nach wie vor verbesserungsfähig. Zum einen leisten sich die Verfolger bei Klettereinlagen oder der Jagd über die Dächer häufig Aussetzer, zum anderen agieren die Burschen nach wie vor nicht im Team, sondern greifen brav einer nach dem anderen an.
Die Technik
Assassin’s Creed 2 ist dank scharfer Texturen, zahlreicher Details und der stimmigen Beleuchtung bereits auf den Konsolen eine Augenweide. Die PC-Fassung legt durch Kantenglättung und höhere Auflösungen optisch noch eine Schippe drauf, und das ohne Ihren PC bedeutend stärker zu beanspruchen, als es der Vorgänger getan hat. Allerdings ist Ubisofts Portierung nicht ganz makellos. Vor allem bei Kamerafahrten in Zwischensequenzen stören konsolentypische Zeilenverschiebungen, die sich zudem nicht durch das Experimentieren mit Bildfrequenzen (VSync) beheben lassen. Verbesserungsfähig sind auch die sich wiederholenden Zufallsgespräche, die Sie in den Straßen an allen Ecken zu hören bekommen. Ein winziger Kritikpunkt in der ansonsten hervorragenden Sound-Kulisse des Spiels. Denn sowohl die Umgebungsgeräusche als auch die Effekte beim Kampf sind auf hohem Niveau, die dynamische Musik untermalt das Geschehen zu jeder Zeit perfekt. Vor allem aber ist Assassin’s Creed 2 sehr gut vertont, sämtliche Sprecher passen zu ihren Rollen und leisten hervorragende Arbeit.
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